Robert Motelski, Nah und Fern - stille Dimensionen

19.03.2016 - 18.05.2016

Das größte Manko der heutigen, wachsenden Gesellschaft ist die Eile. Der Ansturm auf Macht, Karriere, Reichtum lässt uns den Sinn der Menschlichkeit verlieren – in einem reinen, ursprünglichen Verständnis dieses Wortes. Diese endlose Jagd wie ein Staffellauf ohne Zielgerade ist nicht für Innehalten und Momente der Kontemplation förderlich. Den Weg im Leben Harmonie zu erreichen zeigen uns die buddhistischen Mönche und seine malerische Emanation ist das Schaffen von Robert Motelski.

Mindfulness, das bedeutet aufmerksame Achtsamkeit oder auch volle Achtsamkeit, und spiegelt den Charakter der Kunst des jungen Malers, der in der polnischen Hauptstadt seine akademische Ausbildung machte, wider. Jedoch ist das Zentrum seines Interesses in der Malerei entgegen dem Anschein nicht der Mensch sondern die Natur und der Mensch fungiert hier als Empfänger. Landschaften mit ihrer ursprünglichen, unberührten Schönheit erscheinen auf den Gemälde-Zyklen Motelskis. Beobachtet und auf die Leinwand mit einer achtsamen Aufmerksamkeit übertragen, die östlichen Meistern würdig wäre, reflektieren sie die Dinge, wie sie sind, ohne unnötige Verschönerungen und Verzierungen. Die reine Schlichtheit der Schönheit von Wasser, Wald und Bergen führt Ruhe ein und schenkt dem Betrachter Trost. Fast greifbar spüren wir die Erhabenheit der fernen, mit Schnee bestreuten Gipfel und durch die Baumkronen scheinende Strahlen der Sonne streifen unser Gesicht. Die Rückführung einer Landschaft zu dem Wesen der Dinge, der Zeichen und Symbole gibt ihr einen transzendentalen Charakter.

Diese bemerkenswerte Harmonie erreicht Motelski dank moderner westlicher Ausdrucksmittel sowie der Kunst und Philosophie des fernen Ostens, aus denen er schöpft. Rhythmisierung und fast mathematische Aufteilung erinnern an die Logik eines Malewitsch oder Mondrian, die farbliche Reduktion und die Faszination für die Kraft der Natur wiederum an japanische Holzschnitte. Diese Holzschnitte, die sich ukiyo-e -  浮世絵 - nennen, werden nicht grundlos „Bilder der fließenden Welt” genannt. Besonders zu tragen kommt dies bei den Werken von Hokusai, sie geben am Besten den Begriff der Zeit wieder. Ähnlich die Natur bei Motelski, unveränderlich in ihrer Gestalt, ohne menschliche Ingeration existierend, nur ihr Kleid von Jahreszeiten und Tageszeit abhängig wechselnd. Die Worte des Künstlers selbst geben einen genauen Einblick in die Gefühle, die ihn begleiten, wenn er ein inspirierendes Naturereignis sieht: „In der Früh, gleich nach Sonnenaufgang stieg ich aus dem Zug am Bahnhof in Salzburg. (...) Man sah schon die Stelle wo sich die Galerie Sandhofer befindet. Doch in der Ferne über der Stadt sah man von Schnee bedeckte Gebirgsketten, nur in den höheren Regionen der Berge hielt er sich”. Der Ausblick auf Salzburgs Berggipfel hat Motelski zu dem blauen Titelbild der Ausstellung inspiriert „Berge 16. Jänner 08:06“.

Die vom Künstler verwendeten formalen Mittel lassen keinen Zweifel – seine Kunst beruhigt nicht nur, sondern sie wirkt therapeutisch und geistig heilsam. Charakteristisch ist in seinen Werken die Benutzung zweier Farbebenen um den Hintergrund von den wichtigsten Elementen zu unterscheiden. Er verwendet gerne Ölfarbe um die Bildfläche mit breiten, flachen Pinselstrichen mittels matter Farblegung zu befüllen. Die farbige Tonlage ist kühl, er operiert in der Regel mit Blautönen – von Himmelblau bis Dunkelblau, auch mit Grautönen, seltener mit Flaschengrün. Um zu kontrastieren benützt er weiß, schwarz oder, wie im Werk „Lagerfeuer 18. Juni 22:55“, rot. Diese Schlüsselelemente haben eine reiche Textur und sind mit expressiven Pinselstrichen gemalt, wodurch sie sich vom Hintergrund absetzen. Dabei spielt Motelskis meisterliches Spiel mit dem Licht eine wichtige Rolle.

Wert ist es auch einen Blick auf die Titel der Bilder zu werfen. Jedes der Werke beinhaltet außer dem Titel, das genaue Datum und die Zeit des porträtierten Objektes. Es handelt sich jedoch nicht um den Zeitpunkt des Entstehens des Bildes, oder der Idee dazu, sondern um einen hypothetischen Zeitrahmen innerhalb dem das Phänomen existieren könnte. Das Bild „Wellenbrecher 3. Oktober 09:22“ nimmt uns suggestiv in diesen herbstlichen, kühlen Vormittag ans Meer mit, wo die Wellen gegen die Wellenbrecher schlagen und der Wind in den Dünen weht. Die Suggestion einer kühlen Küstenlandschaft wird dank der zeitlichen Zugabe zum Titel verstärkt und dem Betrachter gemäß der Intention des Künstlers die Darstellung auf der Leinwand näher gebracht.

Jemand sagte einmal bei der Betrachtung eines Bildes von Motelski, dass er es gerne zu seinem Zahnarzt mitnehmen würde, um die Angst damit zu bekämpfen, sowie als Ruhepool in einer Stresssituation. Der hypnotische Rhythmus der Bäume, die regelmäßige Reflektion der Sonnenstrahlen auf der Oberfläche des Wassers, der Frost mit fast göttlicher Logik auf den Gräsern gebettet – das ist das Geheimnis der beruhigenden Eigenschaften der Leinwände Motelskis. „Nah und Fern – Stille Dimensionen“ sind ferne und gleichzeitig nahe, so als könnte man direkt die Hand ausstrecken, majestätische Naturlandschaften. Vibrierende, ungebrochene Stille füllt die Leinwände zu den Rändern hin und weckt in uns andere Sinne, um uns in die Welt an die Grenze zwischen Abstraktion und Realität mit zu nehmen.

Sandra Zagajna

„In der Früh, gleich nach Sonnenaufgang stieg ich aus dem Zug am Bahnhof in Salzburg.  Nach vielen Reisestunden, verzichtete ich auf das Warten auf den Bus und beschloss zu Fuß zur Galerie Sandhofer zu gehen, wo ich am nächsten Tag die Eröffnung meiner Ausstellung hatte. Obwohl Mitte Jänner, war das Wetter eher frühlingshaft. Ich ging in der Nähe der Burg auf den Berg, wo in alten Zeiten die erste Siedlung in der Gegend war. Der Ort, wo ich stand, war ein Hügel über dem Gletscher, der in alten Zeiten das ganze Tal bedeckt hat. Man sah schon die Stelle, wo sich die Galerie befindet. Doch in der Ferne über der Stadt sah man von Schnee bedeckte Gebirgsketten. Der blau-grüne Himmel verschmolz mit den Bergen. Vor diesem Hintergrund sah man nur den weißen Streifen von Schnee, der nur in höheren Teilen der Berge geblieben war. So entstand die Idee für einen Bilderzyklus. Das erste Bild dieser Reihe befindet sich auf der Einladung. Nach ein paar Skizzen beschloss ich das matte, gleichmäßige Blau des Himmels und der Berge mit dem expressiv und pastös gemalten Schnee zu verbinden.“

Robert Motelski

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    "Water 24 August 19:56" 2015 - SOLD

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    "Mountains 12 March 10:54" 2014

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    "Mountains Salzburg 16 January 08:06" 2014 -SOLD

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    diptych Part I "Trees 7 January 10:23" 2016

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    diptych Part II "Trees 30 November 08:55" 2016

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    "Hoarfrost 11 January 10:02" 2014 - SOLD

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    "Trees 11 Dezember 14:42" 2013

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    "Boat 7 August 14:53" 2014 - SOLD

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    "Island 11 June 17:38" 2016 - SOLD

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    "Jetty 7 September 07:34" 2014

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    "Breakwater 3 October 09:22" 2014 - SOLD

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    "Reed 4 July 08:11" 2013

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    "Mountains 14 March 12:15" 2015

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    "Mountains 6 February 09:21" 2015

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    "Campfire 17 September 21:31" 2015 - SOLD

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    "Campfire 18 June 22:55" 2015

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    "Trees 17 October 13:12" 2015

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    "Snow 3 January 11:56" 2015

Photo Documentation of the Exhibition

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